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Hier blogt ab und an der Meinungstester zu Themen der Mongolei oder der deutsch-mongolischen Beziehungen

türkische Großmachtphantasien

Neuer Beitragvon Meinungstester » So, 10. Februar 2008, 13:48

Als ich am Freitag im Fernsehen diesen türkischen Staatsschauspieler Erdogan sehe, den man in der Türkei eigentlich einmal zu lebenslangem Politikverbot wegen Volksverhetzung verurteil hatte, also wenn ich diesen islamischen Nationalisten höre, wie er neben einer völlig verdutzten Bundeskanzlerin erklärt, warum er in Deutschland türkische Gymnasien und Universitäten einführen möchte, da kommt mir doch sofort das Bild in den Kopf, als Anfang der 90 er Jahre an der Straße vom Flughafen Ulaanbaatar ins Stadtzentrum ein riesiges Plakat prangte, dass für den Besuch der türkischen Hochschule warb oder der Coup den Türken landeten, als sie das erste große ausländische Restaurant im ehemaligen Leninmuseum der Stadt einrichteten. Gut nun hat sich die Situation etwas beruhigt und an die Zeiten als die mongolische Staatsfluggesellschaft ihr Flugzeug leer von und nach Istanbul steuerte um irgend jemanden einen Gefallen zu tun, sind schon lange vergessen, aber ganz erledigt hat sich das Kapitel trotzdem noch nicht, seit die Türken ein Nationalheiligtum in der Mongolei entdeckt haben und eine Asphaltstraße dorthin bauen, keimen wieder Begehrlichkeiten auf.

Ich meine der Auftritt von Erdogan in Deutschland hat gezeigt, welche Großmachtsphantasien wieder in der Türkei aufkeimen, nun wird das die deutsche Regierung kaum beeindrucken wenn ein ökonomisches Leichtgewicht wie die Türkei ein bissel rumpoltert, aber die Mongolen müssen sich da schon ernsthaftere Sorgen machen, immerhin pflegen türkische Schulbücher den Mythos das Dschingis Khan sich in die Ahnenreihe der Türken einfügt und die offizielle Außenpolitik begrenzt die östliche Interessensphäre in der westlichen Mongolei und schließt die dort lebenden muslimischen Kasachen ausdrücklich ein.

In Ulaanbaatar ist immer die Rede von den Chinesen, die die Wirtschaft mit ihren Firmen unterwandern und versuchen politischen Einfluss zu erlangen, aber schaut auch mal ein bissel auf die Türken, diese Großmachtsphantasien eines Staatspräsidenten klingen nicht gerade entspannend. Sicherlich werden die Türken keine Kampfverbände in die Mongolei in Bewegung setzen und auch wirtschaftlich können sie nicht viel bewegen, aber unter Ausnutzung muslimischer nationaler Minderheiten in der Mongolei können sie zumindest für Unruhe sorgen. Kürzlich habe ich auf der Webseite der extrem islamistischen Milli Görüs gelesen, dass die schon vor Ort sind und es wurde von einer kleinen „alttürkischen“ Minderheit im Tarialan Sum berichtet, die man seitens Milli Görüs aktiv dort unterstützt, bei der Pflege ihrer alttürkischen Traditionen und Brauchtümer.

Schönen Gruß, der Meinungstester
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Sonnenfinsternis

Neuer Beitragvon Meinungstester » Fr, 21. März 2008, 10:47

Ich habe hier schon lange nichts mehr von mir hören lassen, es ist also Zeit, wieder mal was zum Thema Mongolei zu schreiben.

Am 1. August wird die westliche Mongolei von einer Sonnefinsternis heimgesucht und viele Mongolen, die sich irgendwie im Tourismus betätigen setzen große Hoffnung darauf, ich bin da jedoch nicht so sicher, dass dieses Ereignis die erwarteten Scharen von Touristen ins Land ziehen wird. Es sieht eher nicht so aus, dass sich nun tausende auf den Weg machen um die Sofi, wie man sie hier unter Fans nennt, live zu erleben. Der Aufwand ist ja auch entsprechend hoch, denn erleben kann man das Naturschauspiel nur im äußersten Westen der Mongolei und dahin ist man immerhin sechs oder sieben Tage auf Achse oder man setzt sich in ein Inlandsflug und hat aber sicher vor Ort dann ein Problem ein Fahrzeug zu organisieren.

Mir sind jedenfalls noch nicht allzu viele Leute über den weg gelaufen, die gesagt haben, ich muss unbedingt zur Sonnenfinsternis in die Mongolei, es kann auch für den Tourismus nicht unbedingt gut sein, wenn sich alles auf zwei, drei Wochen im Sommer konzentriert und ehe schon kurze Saison noch weiter zusammenrutscht.

Die Sofi 2008 schient wieder mal so was wie ein magischer Strohhalm zu sein, an den man sich klammert und wo viele sagen, hier kann man richtig Geld verdienen, eine von den „besonderen“ Chancen, die sich aber wahrscheinlich danach als recht unerheblich erweisen. Irgendwie warten in der Mongolei ja viele immer auf die große Möglichkeit und Jobs, bei denen man jeden Tag acht Stunden arbeitet und zwar regelmäßig, aber eben nicht das große Geld verdient, sind nicht so sonderlich beliebt. Da sitzt mancher lieber irgendwo wochenlang rum telefoniert, philosophiert, diskutiert und schmiedet Pläne, ohne ein Einkommen, denn er hat ja immer die Hoffnung, dass große Ding kommt und dann hat man in ein paar Tagen soviel verdient wie der andere mit seinem ganz normalen Job im ganzen Jahr. Bei dem einen oder anderen mag das ja auch klappen, aber dann wars das oft auch schon und man wartet wieder Monate auf die nächste Chance, den großen Deal. Klar, keiner will sich in der Mongolei so richtig abfinden mit der Tatsache, dass die regulären Löhne irgendwo im unteren Drittel der Weltrangliste angesiedelt sind aber eines ist auch klar, wenn reguläre Arbeitsverhältnisse immer nur dazu dienen, dass eine Sozialversicherung nachgewiesen ist und das eigentliche Geld in der Schattenwirtschaft verdient wird, dann wird die Wirtschaft nicht so schnell auf solide Beine kommen. Anderseits werden die Löhne für reguläre Jobs auch nicht so schnell steigen ersten weis der Arbeitgeber, dass er nicht unbedingt einen Lohn zahlen muss, der das Leben absichert und zweitens bekommt er ja meist auch nur eine wenig engagierte Leistung.

Viele Grüße und schöne Ostern, der Meinungstester
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Mongolei - Sommer 2008

Neuer Beitragvon Meinungstester » Do, 2. Oktober 2008, 20:50

Ich habe mich hier schon sehr lange nicht mehr zu Wort gemeldet und möchte das jetzt mit ein paar Eindrücken zur Mongolei im Sommer 2008 nachholen.

Der Sommer 2008 war ja der Sommer der gewaltigen Sonnenfinsternis, so jedenfalls war ja das Ereignis von den Tourismusbusiness Leuten in der Mongolei immer angekündigt worden. Nun gut, die Sonnenfinsternis hat wirklich stattgefunden, auch gab es nahezu keine Wolken an diesem Tag in der Westmongolei, wo man das Ereignis wahrnehmen konnte. Was allerdings fehlte, waren die aber tausende von Touristen, die deswegen in die Mongolei gereist sind. Man sagt heute, dass etwa 500 Ausländer zu diesem Zeitpunkt in dieser Region weilten, wie viele davon sowieso in die Mongolei gereist wären, weis natürlich niemand, aber auch wenn alle 500 nur wegen dieser 2 Minuten Dunkelheit den weiten Weg gewählt hätten, es ist wieder mal ein Beispiel, wie man mit touristischen Phrasen in der Mongolei daneben liegen kann. Viele in dieser Branche in der Mongolei denken, dass man mit kleinen Events oder neuen Picture Places Leute in das Land locken kann, dass ist aber grundfalsch. Wer in die Mongolei reisen will, der hat sich das in der Regel reiflich überlegt. Der Wunsch wächst nicht über Nacht und was er dort sucht, dass ist in vielen Fällen Landschaft, Weite und vielleicht ein bischen Abenteuer, deshalb glaube ich auch nicht an den großen Erfolg der vielen neuen 5 Sterne Hotels in Ulaanbaatar, wer sich nach solchen Erlebnissen in der Natur sehnt, der legt keinen großen Wert auf First Class Bedienung und Business Style im Hotel. Sicher gib es auch eine handvoll VIP Touristen, die für drei, vier Tage kommen werden um hinter das Land auch einen Haken machen zu können, vermutlich eher aus dem anglophonen, als dem deutschen Sprachraum, aber drei Wochen über Land werden solche Leute bestimmt nicht fahren wollen.
Nun was gab es sonst noch zu beobachten, da wäre das Wetter, kaum Regen, recht warm und südländische Sommernächte am Stück. Besonders die Nächte in UB waren ja so, wie man sie in Deutschland immer herbeiredet, sie aber in der Wirklichkeit fast nie sind. Entsprechend gut besucht sind dann natürlich auch die unzähligen Straßenkneipen der Stadt gewesen, ach ja und da ist ja dann noch der erste mongolische Olympiasieg gewesen. Eine Nacht in der die Stadt spontan Karneval gefeiert hat, mit privaten Feuerwerken, Dauerstau und Hupkonzert bis vier Uhr morgens und einer Verbrüderungsszene von sturzbesoffenen Politikern mit dreißigtausend nicht weniger betrunkenen Bürgern auf dem Suche Bator Platz, unweit der Stelle, wo man ein paar Wochen vorher Revolution gespielt hatte und nachdem ein Schnapsladen geplündert war, die Büros derselben Politiker abgefackelt werden sollten.
Es war also keineswegs langweilig im Sommer 2008, der das Land dreimal für einen kurzen Wimpernschlag in die Schlagzeilen der internationalen Nachrichtensendungen gebracht hat, im Guten wie im Bösen.

Viele Grüße, der Meinungstester
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Re: Meinungstester Blog

Neuer Beitragvon Jens Geu » Sa, 1. November 2008, 19:31

Ich habe hier gerade mal einen Post gelöscht, wo eine Wohnung angeboten wurde. Prinzipiell haben wir nichts dagegen aber es muss zum Thema passen also hier passte es überhaupt nicht. Wenn es wieder rein soll, dann bitte ein eigenes Thema dazu aufmachen.
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Die Mongolei und die Krise

Neuer Beitragvon Meinungstester » Mi, 26. November 2008, 22:06

Die Mongolei und die Krise

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist auch in der Mongolei angekommen. Die Immobilienpreise fallen, es gibt kaum noch Kredite und Bauvorhaben werden auf Eis gelegt. Eigentlich könnte man es ja als ein gutes Zeichen werten, dass dieses Symptome auch bis dahin zu finden sind, denn das ist ja eigentlich der Beweis, dass die Mongolei doch irgendwie mit der Weltwirtschaft in Verbindung steht und in den Steppen nicht nur Schafe und Ziegen gezüchtet werden, aber gerade für den Bausektor kommt diese Situation natürlich denkbar ungünstig. Gut ist allerdings, das der mongolische Tugrig gegenüber dem US Dollar an Wert leicht gewonnen hat und das die Öl und Benzinimporte auch für die Mongolei deutlich billiger geworden sind, denn hier ist in den letzten Monaten eine Menge Geld ins Ausland gegangen und gerade die hohen Benzinpreise haben die mongolische Wirtschaft stark belastet. Dumm ist nur, dass in einer Rezession auch andere Rohstoffe, wie Kupfer, weniger nachgefragt sind, das heißt weniger Einnahmen für Erdenet und den Staat.

Das kann natürlich auch wieder von Vorteil sein, wenn mal die Rohstoffmillionäre in der Mongolei merken, dass Geld nicht immer einfach so entsteht, weil die Erlöse für die gleiche Arbeit ohne Zutun steigen. Jetzt werden sich vielleicht doch der eine oder andere Unternehmer in Ulaanbaatar darüber Gedanken machen müssen, wie man sein Kapital sicher investiert, zum Beispiel in dem man Waren produziert, die am heimischen Markt immer verkauft werden können. Wenn auch nur mit kleinem Gewinn aber immerhin kalkulierbar, anders als bei den Rohstoffdeals, die vielen dort einfach den letzten Verstand vernebelt haben. Bei einem Rohstoffvorkommen kann es ganz schnell passieren, dass unter einem bestimmten Weltmarkpreis keinerlei Interesse mehr an der Ausbeutung einer Lagerstätte besteht, dann fallen von heute auf morgen die Einnahmen für den Unternehmer praktisch auf null und man kann da auch kaum was an den Kostenstrukturen drehen, denn die werden von den geologischen Bedingungen diktiert. Es bleibt also zu hoffen, dass die Krise zumindest dazu führt, dass man endlich mal eine kleine Industrieproduktion, zumindest für den heimischen Markt aufbaut, Mongolen sind ja sehr anpassungsfähig es sollte ihnen also nicht schwer fallen.

Die Bevölkerung in der Mongolei hat natürlich schon ganz andere Krisen mitgemacht, als dieses Finanzdebakel. Die Situation zum Anfang der 90 er Jahre war unvergleichlich ernster und die Bilanz aus dieser Krise damals war ja die Meinung, mit der Produktion von Waren kann man nur verlieren, gewinnen kann man nur mit wilden Spekulationen und dem Handel, jetzt könnte sich das ganze vielleicht wieder zum Besseren umkehren, einem auf solider Basis für den heimischen Markt produzierenden Unternehmen kann die Krise relativ wurscht sein, das kann seine Waren ohne wirkliche Konkurrenten in der Nähe immer absetzen.
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Zud?

Neuer Beitragvon Meinungstester » Do, 11. Februar 2010, 23:12

In den letzten Tagen zeigt das mongolische TV nur noch Katastrophenbilder und –diskussionen, es gilt Zud, also eine Schneekatastrophe. Wenn man aber über Land fährt sieht man 5 bis 10 cm Pulverschnee, der sich manchmal aufgeweht örtlich auch zu dreißig Zentimetern aufbauen kann, aber wirklich viel ist das eigentlich nicht. In deutschen Mittelgebirgen würde man bei solchen Verhältnissen über akuten Schneemangel klagen. Auch wenn man die Wetterdaten der Stationen der Mongolei durchforstet, da sticht Ulaangom mit 28 cm deutlich hervor, bei sonst kaum 10 cm. Im Grunde zeigt das Ganze meiner Meinung nach zwei Dinge, zum Einen wie unglaublich fragil und anfällig die mongolische Viehwirtschaft heute ist und zum anderen eine ich möchte schon sagen fast typische Einstellung, man genießt den Sommer, lässt die sich das Vieh auf Teufel komm raus vermehren und kommt dann im Winter eine ungünstige Wetterkonstellation zu Stande, wird sofort der Staat gerufen. Sicher sind die Einzelschicksale dahinter mehr als schmerzlich aber man muss ganz klar sagen, dieser Winter ist zwar in der Mongolei deutlich kälter als die vorangegangenen aber immer noch im Limit und was den Schnee anbelangt nur für denjenigen ein Problem, der in seiner Planung davon ausgegangen ist, dass praktisch kein Schnee kommt. Es ist ein Ereignis, was statistisch mindestens alle 10 Jahre wiederkehrt, ähnlich einem jährigen Hochwasserintervall. Zud ist vor allem Futtermangel, dem kann man mit Zusatzfutterreserven abhelfen, das kostet Geld und Zeit im Sommer, viele sparen sich das. Man verlässt sich auf günstiges Wetter und die Regierung, das eine ist aber eine Frage der Statistik und das andere ein Trugschluss. Die regierende Volkspartei hat zwar ihre Hauptwählerschaft bei den Viehzüchtern, gibt sich sehr bodenständig und fischt dort vor jeder Wahl mit großen Versprechungen, ihre Führungsriege besteht aber aus neureichen Geschäftsleuten die lieber Sekt als Airag trinken. Natürlich versucht man jetzt schnell Futtermittel bereitzustellen, aber warum soll eigentlich immer wieder die Allgemeinheit dafür bezahlen? In den letzten fünf bis sechs guten Jahren ist der sowieso schon zu hohe Viehbestand um 10 Mio. Tiere angewachsen, bisher sind 1,5 Mio. verendet, wenn es bis zum Ende des Winters vielleicht 3 Mio. sein werden, so bedauerlich das ist, es bleibt immer noch ein deutliches Plus über die Jahre. Wäre so manches Tier im Herbst geschlachtet worden und auf den Markt gekommen, wäre es jetzt nicht verendet und der Besitzer hätte Geld um Futter für den Rest der Herde zu kaufen.
Ich hoffe natürlich, dass die ganze Situation noch relativ glimpflich abgeht, aber der nächste Winter in dem es auch in der Mongolei mal ein paar Stunden und ein paar Zentimeter schneit kommt mit Sicherheit, es sei denn die Funktionäre der Volkspartei versprechen den Viehzüchtern künftig eine Überdachung des Landes.
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Nachsatz

Neuer Beitragvon Meinungstester » Do, 25. Februar 2010, 21:02

Ich möchte die Auswirkungen und das Dilemma des derzeitigen Winterwetters in der Mongolei nicht kleinreden, aber gerade habe ich wieder eine international verbereitete Pressemitteilung gelesen in der die mongolische Regierung die Situation damit begründet, dass Unmengen von Schnee der Hauptgrund wären, es wird von einer 40 bis 50 cm dicken Schneedecke gesprochen, die das Land bedeckt. Ich hatte wie schon im Beitrag oben gesagt, im Januar etwas anderes gesehen. Demzufolge habe ich die Wetterdaten abgerufen und hier sind sie von heute:

Schneehöhe in cm

Ulaan-Gom (939 m) 30 cm
Baitag (1186 m) 29 cm
Baruunturuun (1232 m) 22 cm
Uliastai (1759 m) 21 cm
Tosontsengel (1723 m) 20 cm
Underkhaan (1033 m) 16 cm
Dashbalbar (705 m) 12 cm
Rinchinlhumbe (1583 m) 12 cm
Bayan-Ovoo (926 m) 11 cm
Maanti (1430 m) 9 cm
Bulgan (1208 m) 9 cm
Omno-Gobi (1590 m) 8 cm
Gaiuut (2126 m) 7 cm
Baruunkharaa (807 m) 6 cm
Tarialan (1235 m) 6 cm
Ulan Bator (1306 m) 6 cm
Khalkh-Gol (688 m) 5 cm
Bayanbulag (2255 m) 4 cm
Tsetserleg (1691 m) 4 cm
Mandalgovi (1393 m) 3 cm
Hutag (938 m) 3 cm
Tschoibalsan (747 m) 2 cm
Matad (907 m) 2 cm
Hatgal (1668 m) 2 cm
Baruun-Urt (981 m) 2 cm
Zamyn-Uud (964 m) 2 cm
Bayanhongor (1859 m) 2 cm
Erdenetsagaan (1076 m) 2 cm
Choir (1286 m) 2 cm
Hujirt (1662 m) 1 cm
Altai (2181 m) 1 cm
Sajnschand (938 m) 1 cm
Arvaiheer (1813 m) 1 cm
Saikhan-Ovoo (1316 m) 1 cm
Tsogt-Ovoo (1298 m) 1 cm

40 oder gar 50 cm liegen nirgends, höchstens in lokalen Schneewehen, aber da könnte man für Norddeutschland in diesem Winter auch zwei Meter hinschreiben. Drei Viertel des Landes haben danach weniger als 10 cm Schnee, der Rest 10 bis 20cm und nur der äußerste Nordwesten bis zu 30 cm Schnee.
Ich glaube die mongolische Regierung sollte mal anfangen die eigentlichen Probleme der Viehwirtschaft zu analysieren, Überweidung, ständig wachsender Viehbestand, schlechte Züchtung(Quantität statt Qualität), magelhafte Seuchen- und Parasitenbekämpfung, keine Investitionen der Viehzüchter in Winterquartiere und Zusatzfutter usw..
Zudem arbeiten immer noch viel zu viele Menschen in der Viehzucht, es wird nicht besser, wenn 30 Prozent der Bevölkerung damit beschschäftigt sind Fleisch zu produzieren das fast auschließlich für den Binnenmarkt ist, denn ein Export ist unter diesen Bedingungen fast nicht möglich.
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Dürfen Mongolen Ski fahren?

Neuer Beitragvon Meinungstester » Mi, 3. März 2010, 19:58

Dürfen Mongolen Ski fahren?

Die Frage, die hinter diesem Beitrag stehen sollte stellte sich mir, als ich die Veröffentlichungen zum neuen Ski Gebiet von Ulaanbaatar las. Die Berichterstattung selbst war ja eine richtige Schlagzeile, die Online Ausgaben nahezu aller großen deutschen Zeitungen hatten den, zugegeben ziemlich gleichen Standardtext, abgelegt. Der Text an sich wirft noch keine Fragen auf, interessant waren die Kommentare, die bei den online Medien heutzutage auf den Fuß folgen, die Leserbriefe sozusagen. Es dauerte also nur ein paar Stunden und die ersten Wortmeldungen lagen vor. Der Grundtenor war in etwa, sind die dort verrückt geworden, die sollen ihren Armen helfen anstatt Skilifte zu bauen und der ganze Aufwand wäre ja nur was für eine handvoll Neureicher oder Ausländer.
Abgesehen davon, dass die Skianlagen von privaten Investoren, in dem Falle der MCS Gruppe, gebaut wurden um damit Geld zu verdienen, man kann kaum erwarten, dass eine private Firma mit ihrem Geschäftskapital Suppenküchen finanziert, also abgesehen von dieser Vermischung der gesellschaftlichen Realitäten, steckt hinter einer solchen These, die Ansicht, die Bevölkerung armer Länder braucht keinen Zugang zu Freizeitaktivitäten wie sie in den Industrieländern üblich sind.

Man könnte natürlich im Rückschluss dazu sagen, solange es in Deutschland Hartz IV Empfänger gibt, sollten alle Skigebiete schließen, denn für die deutschen Sozialhilfeempfänger käme ein Skiurlaub ja genauso wenig in Frage, wie ein Skitag im Sky Resort für einen verarmten Bewohner der Jurtensiedlung am Rande von UB.
Im weiteren Sinne zeigt sich hier auch wieder das typische Denkschema in das manche „Mongoleikenner“ hierzulande das Land pressen wollen. Da sind die bedauernswerten Viehzüchter und die Armen am Stadtrand, die nicht ohne den Beistand der internationalen Gutmenschengilde überleben können, also die echte Mongolei und da sind die verachtenswerten Neureichen, denen man immer mal auf die Finger klopfen sollte bevor sie die ursprüngliche Mongolei komplett zerstören.

Um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen, das Sky Resort ist nun schon seit über 3 Monaten in Betrieb, es wurde auch nicht, wie hierzulande oft üblich mit öffentlichen Fördermittel unterstützt und die Investoren scheinen mit ihrem Konzept guter Dinge zu sein. Es ist auch mit Sicherheit nicht so, dass nur eine kleine Gruppe von Neureichen das Resort bevölkert, man trifft dort ganz normale Familien oder in den Ferien oft auf Schulkinder. Eine Liftkarte mit Ausrüstung kostet am halben Wochentag soviel wie fünf Bier in einer Kneipe und wer die UB Kneipen kennt, weiß wie viel dort regelmäßig umgesetzt wird. Mit dem kostenlosen Skibus kann jeder in fünfzehn Minuten im Resort sein, selbst wenn er gar keine Liftkarte kauft, sondern nur zuschaut.

Diese Schilderung ist nun aber schon wieder zu positiv für das dämmrige, düstere Mongoleibild und öfter noch Ulaanbaatarbild das mancher „Kenner“ hier sehr kultiviert pflegt. Wer ein neues Skigebiet in der Mongolei einfach nur geil findet und der Meinung ist, zumindest ein Teil der Leute dort kann ja auch mal in den Wintersport hineinschnuppern, der ist für einige ein Ignorant der die vermeintlich so dramatische Situation in der Mongolei nicht sehen will oder ein Dummkopf, der die Probleme der dritten Welt nicht erkennt, im besten Falle aber ein spaßorientierte Kleingeist dem die Leiden der mongolischen Bevölkerung egal sind.
Diesen Welterklärern möchte ich sagen, ich finde das Sky Resort toll, gerade weil es in der Mongolei ist, ich freue mich über neue Einkaufszentren in der Stadt wie das Grand Plaza und ich finde solange sich solche Konzepte wirtschaftlich tragen haben sie ihre Legitimation und so viel internationaler Standard wie möglich ist für die Zukunft der Mongolei extrem wichtig. Die Frage, ob das Land seine Bodenschätze in Zukunft effizient heben und an den Mann bringen kann wird nicht zuletzt auch davon beeinflusst wieweit sich Ulaanbaatar zu einer globalen Stadt entwickelt, mit Infrastruktur, mit Komfort, mit Lebensqualität und mit Freizeitangeboten.
Wer wenn nicht der Mongole, der 6 Monate im Dauerfrost ausharren muss, hat Anspruch auf das Freizeitvergnügen Wintersport. Macht Euch den Winter in Ulaanbaatar so angenehm wie möglich und wenn alles Gut geht, wächst unter den jetzt kleinen Knirpsen, die im Sky Resort sozusagen mit Ski groß werden mal ein Weltcup Abfahrer heran, bei den Trainingsbedingungen haben sie vielen Deutschen von nun an was voraus, fünf Monate brettharter und schneller Maschinenschnee unter mongolischer Sonne.
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Nachsatz

Neuer Beitragvon Meinungstester » Fr, 12. März 2010, 21:45

Ich möchte noch einen Nachsatz zum Thema anhängen, in einem FAZ Beitrag gibt man schon eine passende Antwort auf die Frage, dürfen Mongolen Ski fahren www.technoalpin.com/smartedit/documents ... an-uul.pdf
Zitat " ……und wenn man sieht, mit welcher Freude die Menschen hier frische Luft, Zeit mit der Familie und sportliche Herausforderungen genießen, wie viel Spaß die dick verpackten Kleinkinder mit ihren pelzbesetzten Kapuzen und farbenfrohen Wollschals beim rodeln haben, mit welchen Enthusiasmus die Mitarbeiter zu Werke gehen, dann fällt es schwer, irgendjemanden einen Vorwurf zu machen."
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Wem gehört Dschingis Khan?

Neuer Beitragvon Meinungstester » Sa, 13. März 2010, 10:53

Wem gehört Dschingis Khan?

Die Frage stellt sich mir gerade wieder als ich in einem anderen Forum eine ziemlich abstruse Diskussion über die Abstammung von Dschingis Khan las. Im konkreten Fall behauptet ein türkischer Mitbürger, die Mutter von Dschingis Khan wäre türkischer Abstammung und damit Dschingis Kahn ein Türke, wie man es so ähnlich wohl auch in türkischen Schulbücher lesen kann.
Die Türken sind nun aber nicht die einzigen, die Anspruch auf Dschingis Khan erheben, wie man weis, gibt es ja auch in China Kreise, die Dschingis Khan gern als Chinesen bezeichnen, was schon deshalb interessant ist, da man ja weis, dass die Bewohner des damaligen China ja ganz schön von den Mongolen unter Dschingis Khan verdroschen worden sind und sie ja eine ziemlich hohe Mauer gegen die Völker im Norden, also auch die späteren Mongolen, gebaut hatten, um sie möglichst von ungebetenen Besuchen abzuhalten.
Irgendwo habe ich auch schon gehört, dass Dschingis Khan eigentlich aus Japan stammt und die Geschichte, dass er mit blauen Augen eher ein Halbrusse gewesen sein könnte wird ja auch gepflegt.
Die Sache hat mich zu der Überlegung gebracht, könnte die Mongolen den Großkhan nicht einfach vermieten? Wenn die mongolische Regierung beispielsweise mit der türkischen Regierung einen Vertrag schließt in dem dieser gestattet wird in ihren Geschichtsbüchern zu schreiben, dass Dschingis Kahn ein Türke oder mindestens Halbtürke war, mit jährlicher Abstandszahlung und nach zehn Jahren kündbar zum Quartalsende.
Die Mongolen sind doch so geschäftstüchtig und einfallsreich und die Türken wären sicher bereit sehr viel Geld dafür auszugeben.
Bei den Chinesen muss man eh aufpassen, dass die nicht zum Patentamt gehen und Dschingis Khan anmelden da hätte man dann in der Mongolei das Problem, dass die Schnapshersteller Lizenzgebühren nach Peking bezahlen müssen.
Um noch mal auf die Türken zu sprechen zu kommen mir ist zwar nicht ganz klar, welchen Nutzen diese Art der Geschichtsglittung für das Land hat, aber wahrscheinlich braucht der türkische Staatsmacho so was wie einen imperialen Kriegshelden für sein Ego und als Ersatz für fehlende Staatskultur und Demokratie.
Bei den Chinesen ist der Fall ziemlich eindeutig, die wollen auch noch in der letzten Historismus Zielgruppenecke Touristen zusammenkehren, die man dann in die Heimat von Dschingis Khan führen kann.
Die Russen wollen sicher damit ihre Demütigung etwas relativieren, so nach dem Motto, wir sind letztendlich von einem der Unseren überfallen und beherrscht worden, bei den Japanern bin ich mir nun völlig im Unklaren. Was soll den bienenfleißigen und geradezu in Utilitarismus verfallenen Japanern so ein Rabauke wie Dschingis Was bedeuten, der nach dem Motto gelebt hat, ackern sollen die anderen, wir holen uns dann die Ernte?
Also mein Tipp in der Sache an die Mongolen, vermietet den alten Knaben ruhig, den Investoren wird es letztlich egal sein, die Touristen legen auch keinen großen Wert darauf, die Archäologen haben ihr Interesse mittlerweile auch verloren und aus einem gewöhnlichen Getreidekorn wird auch kein Wunderwasser weil Dschingis Khan drauf steht.
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Die Mongolei und ihre Katastrophen

Neuer Beitragvon Meinungstester » Fr, 23. April 2010, 20:15

Haben die Mongolen einen Hang zum Katastrophendrama?
Die Frage kam mir angesichts der Meldungen zur Schweinegrippebekämpfung in der Mongolei ebenso wie schon zuvor bei der Vogelgrippe oder als vor ein paar Tagen tausende Kilometer weiter in China die Erde bebte und jeder glaubte, Morgen wird es in Ulaanbaatar passieren.
Die Schweingrippe war gerade mal als Wortschöpfung in der Mongolei angekommen, da wurden die Schulen geschlossen, die wenigen Züge die überhaupt auf Reise gehen könnten fielen aus, leere Straßen in UB und Menschen die tagelang ihre Wohnung nicht verließen. Wo ist der Wagemut der Mongolen geblieben, die mit hundertzwanzig auf der 6 Meter schmalen Buckelpiste nach Kharkhorin an einem schwankenden, völlig überladenen LKW vorbeischießen und den Gegenverkehr mit wilder Lichthupe auf Distanz zu halten versuchen? Wo ist die Kaltblütigkeit der dicklichen Großstadtväter die mit der Bierflasche in der Hand auf den glitschigen Steinen über dem Abgrund des Orchon Wasserfalles balancieren?
Da ist Schweinegrippealarm und auf einmal alles anders. Da kommt die Meldung, dass schon Personen gestorben sein sollen, nun denken all die sonst so Mutigen, hoffentlich bin ich nicht der Nächste. Die Regierung traf sich zu Sondersitzungen und diskutierte über rigerose Schutzmaßnahmen, die Behörden überschlugen sich in ihrem Aktionismus. Die Stadtverwaltung der Hauptstadt untersagte das öffentliche Leben. Nun frage ich mich, wo haben die so besorgten Beamten sonst ihre Augen, wenn nackte Stromkabel aus den Lampen der defekten städtischen Beleuchtung lugen, die bei einmaliger ungewollter Berührung den Passanten zu Kohle verkokeln würden, wo sind diese Ordnungshüter wenn ein fehlender Gullydeckel in der Hauptstraße den träumenden Autofahrer jederzeit das Genick brechen kann. Die mongolische Seele ist schon irgendwie unergründlich, der Gevatter Tot sitzt in jedem dritten Auto grinsend als Beifahrer, mit Wodka im Fernsehsessel und täglich fettem Fleisch in der Schüssel bekämpft jeder der es sich leisten kann erfolgreich den Ansatz einer halbwegs gesunden Lebensweise, dazu wird gequalmt was das Zeug hält und dann kommt ein kleiner, einfacher Grippevirus und der Mongole gerät in Todesangst.
Alle bekannten alltäglichen Gefahren im Steppenland Dschingis Khans verblassen im Angesicht der unheimlichen Gefahren, die über Küsschen, Husten oder Taschentuch in das Land hineingetragen werden könnten.
Ja, es ist einfach kein schöner Gedanke, dass vielleicht auch jemand von einem Schnupfen sterben könnte. Einen Verkehrsunfall, einen mit Wodka Abgefüllten, der über die Balkonbrüstung gefallen ist oder eine zu gequalmte Lunge akzeptiert man als Ursache für zu zeitiges Ableben, aber den Tod aus dem Taschentuch darf es zumindest in der Mongolei nicht geben und deshalb kämpft die mongolische Regierung gegen solche Gefahren als ob es fremde Eindringlinge abzuwehren gilt. Gegen den unsichtbaren Feind, der, so hat mancher sicher gedacht, von den Chinesen extra für die Mongolei losgeschickt wurde.
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Dirk Niebel und die Mongolei

Neuer Beitragvon Meinungstester » Di, 31. August 2010, 19:28

Liebe Leser, ich habe lange nichts mehr hören lassen. Irgendwie fehlte mir das passende Thema. Vor einigen Tagen nun tourte der neue Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel durch die Mongolei. Ja, genau der FDP Funktionär mit der Bundeswehrmütze im Außendienst, der die Entwicklungshilfe einmal abschaffen wollte. In gewisser Weise ist er sich und seiner Politik sogar treu geblieben, denn er will die traditionelle Entwicklungshilfe wirklich abschaffen und durch eine Art Entwicklungspolitik ersetzen, die die Wirtschaft in den Empfängerländern stärkt und der deutschen Wirtschaft die Tür zu diesen Ländern öffnet. Ein sehr interessanter Ansatz, der aber so mancher Dame oder manchem Herrn in den deutschen Entwicklungshilfeorganisationen einen kalten Schauer über den Rücken jagen dürfte.

Nun wollte der Minister seinen Mongoleibesuch wohl dazu nutzen seine neue Entwicklungspolitik darzustellen, er besuchte Bergbaufirmen und sagte eine konkretere Unterstützung bei der Analyse und Bewertung von Rohstoffvorkommen zu, mit dem Ziel, damit auch deutschen Firmen einen besseren Zugang zu den großen Bergbauprojekten in der Mongolei zu verschaffen. Humanitäre Projekte sollen nur noch bei Katastrophenszenarien geleistet werden, Projekte mit der Aussicht auf eine Beteiligung der deutschen Wirtschaft haben Vorrang.
Nun ist mir die Vorstellung deutlich lieber, dass eine deutsche Firma, die Studien zum Abbau von Rohstoffvorkommen erarbeitet mit Entwicklungshilfegeldern finanziert wird, als das diese Gelder an Alles und Nichts Consulter fließen, deren Markt die abgeschottete Entwicklungsbranche war, und deren Studien, Managementpläne und gesammelten Ratschläge die Regale in GTZ Instituten von Addis Abeba bis Ulaanbaatar füllen.
Diese kleinen und großen Projektchen in denen mit deutscher Gründlichkeit zum Beispiel Pläne und Regeln festgelegt werden wie Naturlandschaften in der Gobi geschützt werden sollen, die in Ermangelung von Menschen höchstens vor der Natur selbst geschützt werden können. Nun mag das ein wenig übertrieben klingen, aber wem nutzen die am Schreibtisch in Berlin oder Nürnberg gebastelten Pläne, die Thesen für die Schotterwüste postulieren in der alle 30 Kilometer ein Nomadenzelt mit ein paar hundert Ziegen zu finden ist. So etwas liest sich in Beraterkreisen ganz nett, den Viehzüchter wird es nicht die Bohne interessieren und wenn irgendwo doch mal ein paar Gramm Gold oder ein Loch mit Kohle gefunden werden, dann wird das Papier als erstes verschwinden, sofern es dem im Wege stehen würde, was ja auch verständlich ist, denn was sind ein paar Hektar schon, in dem Terrain mit einer halben Million Quadratkilometern Wildnis. Ich kann mich auch nicht so richtig dafür begeistern, wenn von deutschen Steuergeldern bezahlte Fachberater durch die Gobi fahren und den Viehzüchtern europäische Hygienevorstellungen erläutern denn ich denke, die wissen schon ganz gut, wie man mit wenig Wasser trotzdem sauber bleibt und mit der Hilfe zur Selbsthilfe über rent a camel kann man sicher keinen Kamelzüchter in der Mongolei für den Weltmarkt fit machen.

So gesehen, sollte man dem Herrn Niebel wirklich dankbar sein, sowohl auf Seiten der Mongolen als auch bei der deutschen Wirtschaft. Es bleibt zu hoffen, dass die Umstellung im Apparat möglichst schnell von statten geht, allerdings ist so ein Minister auch kein Herrgott und es wird sicher ein sehr zäher Prozess sein, bis sich, wenn überhaupt in einer ministeriellen Amtszeit möglich, Änderungen durchsetzen. Berlin ist sehr weit, der Apparat sehr groß und verzweigt und der Selbsterhaltungstrieb bekanntlich sehr stark ausgeprägt. Es werden viele langjährige angenehme Bekanntschaften zwischen Entwicklungshilfeangestellten und externen Umsetzern auf der Strecke bleiben müssen, wenn auf einmal eine völlig neue Klientel in Ulaanbaatar auftaucht und im Auftrag der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in der mongolischen Wirtschaft mitmischen will.
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