Als ich am Freitag im Fernsehen diesen türkischen Staatsschauspieler Erdogan sehe, den man in der Türkei eigentlich einmal zu lebenslangem Politikverbot wegen Volksverhetzung verurteil hatte, also wenn ich diesen islamischen Nationalisten höre, wie er neben einer völlig verdutzten Bundeskanzlerin erklärt, warum er in Deutschland türkische Gymnasien und Universitäten einführen möchte, da kommt mir doch sofort das Bild in den Kopf, als Anfang der 90 er Jahre an der Straße vom Flughafen Ulaanbaatar ins Stadtzentrum ein riesiges Plakat prangte, dass für den Besuch der türkischen Hochschule warb oder der Coup den Türken landeten, als sie das erste große ausländische Restaurant im ehemaligen Leninmuseum der Stadt einrichteten. Gut nun hat sich die Situation etwas beruhigt und an die Zeiten als die mongolische Staatsfluggesellschaft ihr Flugzeug leer von und nach Istanbul steuerte um irgend jemanden einen Gefallen zu tun, sind schon lange vergessen, aber ganz erledigt hat sich das Kapitel trotzdem noch nicht, seit die Türken ein Nationalheiligtum in der Mongolei entdeckt haben und eine Asphaltstraße dorthin bauen, keimen wieder Begehrlichkeiten auf.
Ich meine der Auftritt von Erdogan in Deutschland hat gezeigt, welche Großmachtsphantasien wieder in der Türkei aufkeimen, nun wird das die deutsche Regierung kaum beeindrucken wenn ein ökonomisches Leichtgewicht wie die Türkei ein bissel rumpoltert, aber die Mongolen müssen sich da schon ernsthaftere Sorgen machen, immerhin pflegen türkische Schulbücher den Mythos das Dschingis Khan sich in die Ahnenreihe der Türken einfügt und die offizielle Außenpolitik begrenzt die östliche Interessensphäre in der westlichen Mongolei und schließt die dort lebenden muslimischen Kasachen ausdrücklich ein.
In Ulaanbaatar ist immer die Rede von den Chinesen, die die Wirtschaft mit ihren Firmen unterwandern und versuchen politischen Einfluss zu erlangen, aber schaut auch mal ein bissel auf die Türken, diese Großmachtsphantasien eines Staatspräsidenten klingen nicht gerade entspannend. Sicherlich werden die Türken keine Kampfverbände in die Mongolei in Bewegung setzen und auch wirtschaftlich können sie nicht viel bewegen, aber unter Ausnutzung muslimischer nationaler Minderheiten in der Mongolei können sie zumindest für Unruhe sorgen. Kürzlich habe ich auf der Webseite der extrem islamistischen Milli Görüs gelesen, dass die schon vor Ort sind und es wurde von einer kleinen „alttürkischen“ Minderheit im Tarialan Sum berichtet, die man seitens Milli Görüs aktiv dort unterstützt, bei der Pflege ihrer alttürkischen Traditionen und Brauchtümer.
Schönen Gruß, der Meinungstester


